90er Jahre bis ver.di Gründung


Und wieder gibt es große Veränderungen

Veränderte Rahmenbedingungen in Politik und Gesellschaft führen zu neuen Seminarangebote (z.B.: Computer im Betrieb,, Bio- und Gentechnik), die teilweise mit externen Sachverständigen auf Fachtagungen im Bildungszentrum durchgeführt werden.

 

Die veränderten Bedingungen machen für die Gewerkschaftsarbeit und die gewerkschaftliche Bildungsarbeit der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) eine neue Koordinierung der bezirklichen und zentralen Bildung notwendig. Auf einer Jahrestagung 1991 werden alle auf Bezirk- und zentraler Ebene angebotenen Seminare aufeinander abgestimmt und den jeweiligen Ebenen zugeordnet.

Außerdem erfordert die Wiedervereinigung eine besondere Schwerpunktsetzung für die neuen Mitglieder und Beschäftigten in Ostdeutschland. Dafür wird ein „Kompetenztraining“ für gewerkschaftliche und personalrätliche FunktionsträgerInnen entwickelt und angeboten und ein entsprechendes Qualifizierungskonzept erstellt.

Die ersten Ausbildungsseminare finden 1993 statt.

Begleitet wird die Einführung und Umsetzung neuer Seminare 1995 von einem erneuten kompletten Umbau des Hauses. Dafür werden 11,2 Millionen Mark investiert.

Ein neu eingerichteter „Datenverarbeitungsraum“ führt zur Durchführung von Seminaren zu Themen rund um die Nutzung des PC’s und ums Internet.

Außerdem wird größerer Wert auf die Rahmenbedingungen gelegt, um einen Ausgleich zu den Seminaren anzubieten. Unter anderem entsteht im Bereich des ehemaligen Schwimmbades eine Saunalandschaft. Die räumlichen Veränderungen im Seminarbereich machen die Verlegung der Bibliothek notwendig. Sie bekommt einen eigenen Raum im ersten Stock, der gut als Leseraum genutzt werden kann. Der Speisesaal wird modernisiert und ein Wintergarten angebaut.

In diesen Jahren finden jährlich bis zu 100 Seminare statt, an denen bis zu 1800 Gewerkschaftsmitglieder aus ganz Deutschland teilnehmen. Auch der Hauptvorstand der DPG und der Gewerkschaftsrat nutzen das umgebaute Haus mit seinen technischen Möglichkeiten.

Mit dem Seminarprogramm des Hauptvorstandes 1997 werden alle bisherigen 14tägigen Seminare in einwöchige umgewandelt. Vieles muss somit angepasst oder überarbeitet werden.

Trotz aller Umstrukturierung und organisatorischer Maßnahmen wird festgestellt, dass das Seminarvolumen zu gering ist, um die Bildungszentren auszulasten. Moniert werden zu lange Erholzeiten in den Häusern, was für den Seminar- und Wirtschaftsbetrieb kontraproduktiv sei.

Durch die Zerschlagung der Post in einzelne GmbHs gilt nun in diesen Betrieben nicht mehr das Personalvertretungsgesetz, sondern das Betriebsverfassungsgesetz. „Wir waren gefordert eine Ausbildung (für Sekretäre) anzubieten, zu einem Thema, für das wir selbst nicht ausgebildet waren!“ (Peter Strobel in einem Interview).

Das heißt auch Konzepte zu entwickeln zur Qualifizierung der neu gewählten Betriebsräte.

Die Seminare finden auf Bezirks- bzw. auf regionaler Ebene statt.

Mitte der 90er Jahre werden auch Seminare zur Mitgliederwerbung angeboten, die im Bildungszentrum Gladenbach stattfinden. In den Jahren 1995 bis 1997 werden in den neuen GmbHs der Post über 32 Tausend neue Mitglieder geworben.

Eine neue Gewerkschaft wird gegründet

Eine vom Hauptvorstand der DPG 1996 beauftragte Studie empfiehlt das Zusammengehen der DPG, HBV und IG Medien, das nach entsprechenden Beschlüssen in den Gewerkschaftsräten der drei Gewerkschaften mit der Unterzeichnung eines Verbundvertrages („Kleiner Verbund“) 1997 vollzogen wird. Im Bereich der Bildungsarbeit kommt es zu einem regen Austausch von Seminaren und Konzepten zu den Themenbereichen Geschichte wird gemacht, Medienkompetenz und Wirtschaftspolitik.

Die ersten Seminare finden im Bildungszentrum der DPG in Gladenbach statt. Dazu kommt es zu gemeinsamen Angeboten für die erforderliche Teamendenqualifizierung und zu einem Teamendenaustausch.

Zum Konzept des „Kleinen Verbundes“ gehört es auch, dass die Leitung der Abteilungen „Gewerkschaftliche Bildung“ in eine Hand gelegt wird. In Jahre 1998 bis zur ver.di- Gründung übernimmt Barbara Scheiter diese Aufgabe.

Ein erster Schritt auf dem Weg zu ver.di, der durch die Vorlage einer „Politischen Plattform“ und Ideenskizze 1998 weiter beschritten wird.

Zur Vorbereitung und Durchführung des Fusionsprozess wird ein Lenkungsausschuss gegründet, der die Eckpunkte und Struktur der neuen Gewerkschaft erarbeitet.

Nachdem die fünf Einzelgewerkschaften auf ihren Gewerkschaftstagen/Kongressen der Gründung von ver.di zugestimmt und ihre Selbstauflösung beschlossen haben, wird auf dem Gründungskongress 2001 die Gründung von ver.di formell vollzogen.

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bildungsarbeit der neuen Gewerkschaft.

Unterschiedliche Bildungsverständnisse, Konzepte, methodische und didaktische Ansätze machen eine Koordinierung und Neukonzipierung der bisherigen Seminare notwendig.

Das gilt auch für die Bildungszentren, die eine eigene Bildungsplanung betreiben.

Ganz abgesehen davon, dass mit der Fusion ver.di über 16 Bildungsstätten verfügt, mit unterschiedlicher Auslastung, Ausstattung und Traditionen.

Aber das Thema Bildungsstätten ist ein Stichwort für die 2000er Jahre.