70er Jahre


Alles wird anders

Die siebziger Jahre sind ein turbulentes Jahrzehnt für das Haus Blankenstein. Am Ende sind Funktion und Aufgaben des Hauses Blankenstein, sowie Inhalte und Methoden verändert. Damit einher gehend sind umfangreiche bauliche Veränderungen. Aber der Reihe nach.

Die Veränderungen innerhalb der DPG, die sich auch auf das Haus Blankenstein auswirken werden, beginnen offiziell im Jahr 1969. Der Hauptvorstand der DPG erteilt am 23. Januar 1969 einer aus Mitgliedern des Hauptvorstandes der DPG zusammengesetzten Kommission den Auftrag „… Vorschläge für die gewerkschaftliche Arbeit zu formulieren“ (Bericht zum Selbstverständnis der Gewerkschaften, in: Gewerkschaftliche Praxis Nr. 6/7, 1971, Seite 127). Grundlage dieses Beschlusses des Hauptvorstandes sind unter anderem „…unvollendete Arbeitsunterlagen einer Tagung der Bezirkssekretäre der Deutschen Postgewerkschaft…“ (ebd.), die vom 2. bis 7. November 1968 im Haus Blankenstein stattgefunden hatte. Und schon beim 8. Jugendtag der DPG am 20. und 21. Mai 1965 in der Meistersingerhalle in Nürnberg nahmen neben den Themen zur Organisations- und Berufspolitik, allgemeinpolitische Themen immer mehr Raum ein.

Die Kommission nimmt ihre Arbeit am 4. November 1969 auf. Der umfangreiche Bericht der Kommission wird unter dem Titel „Bericht zum Selbstverständnis der Gewerkschaften“ in der Gewerkschaftlichen Praxis Nummer 6/7, 1971 veröffentlicht. In diesem Bericht werden auch umfangreiche Vorschläge zur gewerkschaftlichen Bildungsarbeit gemacht. Schließlich mündet dieser Bericht in  den Entwurf einer neue Satzung und eines „Gesellschafts- und berufspolitischen Programms“. Letzteres wird am 23. Juli 1973 allen Mitgliedern nach Hause zugestellt und es entwickelt sich eine breite Diskussion in vielen Gremien und vor allem bei den Jahreshauptversammlung des Jahres 1973, wie der Vorsitzende der DPG, Ernst Breit beim  11. ordentlichen Kongress, der vom 20. bis 26. Oktober 1974 in Hamburg stattfindet, ausführt (30 Jahre Deutsche Postgewerkschaft aus der Sicht der Kongresse und Bundeskonferenzen 1949 – 1979, Seite 227). Der Kongress beschließt nach umfangreichen Beratungen in vier Arbeitsgruppen sowohl das „Gesellschafts- und berufspolitische Programm“ als auch eine neue Satzung.

Zwei der Ergebnisse dieser Entwicklungen betreffen das Haus Blankenstein direkt. Der 11. ordentliche Kongress beauftragt den Hauptvorstand eine Bildungskonzeption zu entwickeln und er beschließt den Umbau des Hauses Blankenstein zur zentralen Bildungsstätte der Deutschen Postgewerkschaft. Das Haus Blankenstein als Erholungsheim wird aufgelöst. Das Jugendbildungs- und Freizeitheim der DPG in Scheidegg wird verkauft und die Jugendseminare finden im Bildungszentrum Gladenbach statt. Für die Häuser am Wannsee in Berlin und in Niendorf an der Ostsee soll geprüft werden was günstiger ist, Verpachtung oder Verkauf. Alle anderen Häuser (Brannenburg, Haus Wasserfall im Schwarzwald und Walsrode) werden als Erholungsheime aufgelöst und zu reinen (regionalen) Bildungsstätten umgewandelt und ausgebaut.

Hier der Antrag zum Umbau des Hauses beim 11. Kongress, so, wie er beschlossen worden ist (aus: Konzeption für die gewerkschaftliche Bildungsarbeit, Deutsche Postgewerkschaft, Hauptvorstand, Im November 1976):

Antrag 1769, 11. Kongress

(bitte anklicken, es öffnet sich eine 4 MB große PDF – Datei)

Dieser Antrag des Hauptvorstandes der Deutschen Postgewerkschaft enthält die Grundzüge einer Konzeption für die gewerkschaftliche Bildungsarbeit und ein Grundkonzept für den Umbau des Hauses Blankenstein zur zentralen Bildungsstätte der Deutschen Postgewerkschaft.

„Die bauliche, räumliche und technische Konzeption berücksichtigt die methodischen Ansprüche an eine moderne Jugend- und Erwachsenenbildung, die dem Bildungszentrum zugewiesenen Funktionen und zielt auf eine Verbesserung der Qualität der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit.“ (aus: Konzeption für die gewerkschaftliche Bildungsarbeit, Deutsche Postgewerkschaft, Hauptvorstand, Im November 1976, Seiten 37)

Die Baudurchführung

Als Ergebnis eines Architektenwettbewerbs erhält „nach sorgfältiger Prüfung“ die Neue Heimat-Städtebau den Zuschlag für den Um- und Erweiterungsbau der zukünftigen Bildungsstätte Gladenbach. Die Baumaßnahmen beginnen im April 1975. Das Richtfest wird am 05. November 1975 gefeiert.

Zwei Monate vor der veranschlagten Zeit können die Baumaßnahmen abgeschlossen werden. Für die Baukosten sind 8,5 Millionen DM veranschlagt. Sie können „weitestgehend eingehalten werden“.

Anlässlich einer Sitzung des Hauptvorstandes und des Geschäftsführenden Hauptvorstandes der DPG vom 03. bis 05. November 1976 wird das Bildungszentrum Gladenbach unter Beteiligung zahlreicher Ehrengäste seiner Bestimmung übergeben. (Alle Daten und Zitate aus: Geschäftsbericht 1974/1977 für den 12. Kongress 1977, Seiten 90 f.)

Funktionen des Hauses

Die Deutsche Postgewerkschaft formuliert in acht Punkten klare Funktionen für das umgebaute und erweiterte Bildungszentrum in Gladenbach.

  1. Durchführung von Seminaren der Erwachsenenbildung
  2. Durchführung von Seminaren der Jugendbildung
  3. Durchführung internationaler Seminare
  4. Durchführung von Familienseminaren
  5. Einer der fünf Seminarräume steht für bezirkliche Seminare zur Verfügung
  6. Auf Grund der baulichen Konzeption können und werden Sitzungen, Tagungen und Konferenzen durchgeführt.
  7. Das Haus dient der „…Darstellung gewerkschaftlichen Wirkens nach außen“, der „Sympathiewerbung“.
  8. Es können (und sollen) „…Konzeptionen und Methoden entwickelt werden, um die gewerkschaftliche Bildungsarbeit zu verbessern.“

Das Bildungszentrum Gladenbach übt somit wichtige Funktionen innerhalb der DPG aus. Die werden von den Leitern des Hauses auch konsequent umgesetzt. In der Gewerkschaftlichen Praxis, der regelmäßig erscheinenden Zeitschrift für die Funktionäre der DPG, Ausgabe 10 / 1977 werden in einer Beilage unter anderem die Funktionen des Hauses mit einem Schaubild dargestellt und erläutert.

Gewerkschaftliche Praxis 10/1977 Beilage Seite 10

Gewerkschaftliche Praxis 10/1977 Beilage Seite 10

Die Organisationsstrukturen der gewerkschaftlichen Bildung werden auf Hauptvorstandsebene so geändert, dass die Bedeutung der Bildungsarbeit herausgestellt wird. Es wird eine Abteilung Gewerkschaftliche Bildung eingerichtet. Erster Leiter dieser Abteilung ist Johannes Wolf. Auch im Bildungszentrum Gladenbach wird personelle Ausstattung verbessert und die Leitungsstruktur verändert. Es gibt nun drei kollegial zusammenarbeitende Leiter für den Bereich Schulung. Wirtschaftsleitung und Schulungsleitung sind nach wie vor getrennt.