50er Jahre


Wie alles beginnt

Der geschäftsführende Hauptvorstand (GHV) der Deutschen Postgewerkschaft (DPG), eine der Vorgängergewerkschaften von ver.di, diskutiert in seiner Sitzung am 13. März 1952 in Frankfurt am Main über Kauf oder Bau eines Schulungs- und Erholungsheimes.

Die einzelnen Bezirke wünschen sich, neben den schon bestehenden, ein weiteres Erholungsheim. Dieser Wunsch wird nicht weiter verfolgt. Da aber dringend ein zentrales Schulungsheim benötigt wird, ist sich der GHV einig darüber, dass nur ein kombiniertes Schulungs- und Erholungsheim in Frage kommt. Die laufenden Kosten für ein reines Schulungsheim sind ihrer Auffassung nach viel zu hoch. Im Vorfeld dieser Sitzung wurde zunächst der Kauf einer Immobilie in Erwägung gezogen. Der Vorsitzende der DPG, Kollege Stenger, berichtet im GHV über die Besichtigung einer Villa bei Hannover. Das Grundstück soll 90 000 DM kosten. Es gäbe einen schönen Garten und auch die Gebäude seien sehr schön, müssten aber umgebaut werden. Da die Kosten für einen Umbau sehr hoch sind, wird der Kauf abgelehnt. Überhaupt ist man der Überzeugung, dass nur ein Neubau in Frage kommt, „da dieser immer am rentabelsten ist“.1

Schließlich fasst der GHV den Beschluss „…dem Hauptvorstand vorzuschlagen, den Neubau eines Schulungs- und Erholungsheimes im mittleren westdeutschen Raum vorzunehmen…“. Die Finanzierung soll zu 50 % vom Hauptvorstand und zu 50 % von den Bezirken getragen werden.2 Der Hauptvorstand der DPG folgt dem Vorschlag des GHV.

Nun beginnt die Suche nach einem geeigneten Baugelände. Fündig wird man in Gladenbach. Die DPG erhält ein günstiges Angebot der Gemeinde und der Hauptvorstand beschließt in seiner Sitzung am 05./06.August 1953 in Gladenbach das Angebot anzunehmen.3 Dieser Beschluss wird unter der Bedingung getroffen, dass die Geländeerkundung positiv verläuft. Das wird schließlich bestätigt, sodass der GHV in seiner Sitzung am 7. September 1953 dem Ankauf endgültig zustimmt.4

Die Beschlüsse des Hauptvorstandes werden beim 2. Ordentlichen Gewerkschaftstages (21. – 25. September 1953 im „Kurhaus“ in Wiesbaden) endgültig bestätigt.

An dem vom Hauptvorstand ausgelobten Architekturwettbewerb nehmen fünf Architekten teil. In seiner Sitzung am 28. und 29. Oktober 1953 entscheidet der Hauptvorstand über das Ergebnis des Architekturwettbewerbs und den Vorschlag des „Preisrichterkollegiums“. Es wird, wie vorgeschlagen, der „…billigsten und gleichzeitig praktischsten Lösung…“ des Frankfurter Architekten Richard Heil zugestimmt. Das Schulungs- und Erholungsheim soll mit der für damalige Verhältnisse hohen Investitionssumme von 1,2 Millionen DM (einschließlich der Innenarchitektur) gebaut werden. Anders als ursprünglich vorgesehen, wird das Haus zu 60 % vom Hauptvorstand der Deutschen Postgewerkschaft und zu 40 % von den Bezirken finanziert.5

Schon am 08. März 1954 ist Baubeginn. Der Tageszeitung „Hinterländer Anzeiger“ ist dies einen Artikel wert. Dort wird auch über die Schwierigkeiten berichtet, die der gewachsene Schieferfelsen unter dem Baugelände bereitet. Vor allem zeigt der Artikel aber, wie wichtig diese Baumaßnahme für die Region ist. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur Arbeitskräfte aus Gladenbach beschäftigt werden und damit viele Arbeitslose eine Einkommensmöglichkeit erhalten.  Die oberste Bauleitung hat Oberbaurat a. D. Kollege Dr. Freund aus Freiburg im Breisgau. Nach nur dreimonatiger Bauzeit kann unter Anwesenheit vieler Gäste am 04. Juni 1954 Richtfest gefeiert werden.6

In ihrer Ausgabe vom 20. Januar 1955 berichtet die Mitgliederzeitschrift „Deutsche Post“ auf der Titelseite unter der Überschrift „Ein großer Tag der Deutschen Postgewerkschaft“ von der Einweihung des Schulungs- und Erholungsheimes „Haus Blankenstein“ am 12. Januar 1955. Großer Stolz und ein optimistischer Blick spricht aus den Sätzen in diesem Bericht.

Der Seminarbetrieb beginnt schon wenige Tage nach der Einweihungsfeier. Die erste Schulung , die vom 16. bis 29. Januar 1955 im Haus Blankenstein stattfindet, ist eine Arbeitstagung für Jugendsprecher. Leiter dieser Schulung ist Günter Blank, der zu dieser Zeit Jugendsekretär beim Hauptvorstand der DPG ist. Später wird er einer der Leiter des Schulungsheims. Zwei Wochen dauernde Seminare sind zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich, sondern eher das Normale. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Schulungs- und Erholungsheim Haus Blankenstein GmbH

Die GmbH wird bei der Sitzung des DPG – Hauptvorstandes am 07. Dezember 1954 gegründet. Erste Gesellschafter sind die Kollegen Siller (Bezirk Frankfurt), Surmann (Bezirk Düsseldorf), Eilers (Bezirk Köln), Hesse (Bezirk Dortmund), Bönig (Bezirk Braunschweig) und Lenz (Bezirk Koblenz). Der Hauptvorstand wird durch die Vermögens- und Treuhandverwaltung (VTV) vertreten. Die GmbH wird mit 20.000 DM ausgestattet, davon trägt die VTV fünfzig Prozent, den Rest teilen sich die übrigen Gesellschafter.

Was in den 50er – Jahren noch geschieht

Die Stadt Gladenbach verknüpfte mit dem günstigen Verkauf des Grundstückes an die DPG den Wunsch, dass im Haus Blankenstein eine Gaststätte eingerichtet werden soll. Damit soll dem Fremdenverkehr weiter Anschub gegeben werden. Die Gesellschafterversammlung der Schulungs- und Erholungsheim Haus Blankenstein GmbH beschließt am 28. April 1955 ein Café mit kaltem Buffet erst im Frühjahr 1956 einzurichten. Die Verschiebung in das Jahr 1956 geschieht aus Kostengründen.

Noch im Jahr 1955 wird geprüft ob am Schlossberg ein Jugendheim errichtet werden kann (Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 05. Juli 1955). Der Ausbau der Burgruine (das ist wohl damit gemeint) wird in der Gesellschafterversammlung am 10. November 1955 zurückgestellt. Das Projekt wird nach unserem Kenntnisstand nicht wieder aufgegriffen.

Das Gelände gegenüber dem Haus Blankenstein, auf dem sich heute der Parkplatz, die Minigolfanlage, die Boulebahn und der Volleyballplatz befinden, ist nicht von Anfang an im Besitz der DPG. Bei der Gesellschafterversammlung am 10 November 1955 wird beschlossen den Kauf dieses Geländes anzustreben. Schließlich wird ein zwölftausend Quadratmeter großes Grundstück erworben (Gesellschafterversammlung am 22. Mai 1957) und zunächst ein Parkplatz errichtet. Die DPG zahlt für den Kauf des Grundstückes 12.000 DM, ein guter Preis. Die Stadt bittet deshalb darum, einen Teil der Kosten für den Abbruch eines Wohngebäudes am Burgberg zu übernehmen. Ob das geschehen ist, konnten wir leider bis jetzt nicht erfahren.

Einschneidend ist die Veränderung bei der Anzahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei den Schulungen. Anstatt für die Seminare die volle Kapazität des Hauses, also 86 Personen, zu nutzen, werden ab 1956 nur noch 40 Plätze vergeben. Die Entscheidung, die Teilnehmendenzahlen zu halbieren führt schließlich zu höheren Kosten pro Schulungsteilnehmer und -teilnehmerin, da die Grundkosten gleich bleiben. Das wiederum führt zu einigen Diskussionen, nicht nur bei der Gesellschafterversammlung, sondern auch beim Hauptvorstand und beim 4. ordentlichen Gewerkschaftskongress vom 14. bis 18. Oktober 1957 in Berlin.

Erfreulich ist, dass vom 01. bis 13. Oktober 1959 die erste Internationale Jugendbegegnung der DPG im Haus Blankenstein stattfindet. Das Motto lautet „Europa – eine Aufgabe der Jugend“ und dient vor allem dazu Kontakte zu knüpfen. Neben den Kollegen der DPG nehmen Delegierte aus Großbritannien, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich daran teil.

 

1 Protokoll der Sitzung des Geschäftsführenden Hauptvorstandes der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) am 13. März 1952 in Frankfurt am Main
2 Ebd.
3 Deutsche Post, 1954, Seite 232
4 Protokoll der Sitzung des Geschäftsführenden Hauptvorstandes der DPG am 07. September 1953 in Frankfurt am Main
5 Deutsche Post, 1954, Seite 232 und Protokoll der Sitzung des Hauptvorstandes der DPG am 28. und 29. Oktober 1953 in Frankfurt am Main
6 Deutsche Post, 1954, Seite 232