… der Bildungsarbeit


Die gewerkschaftliche Bildungsarbeit der DPG nach 1945

Nach dem zweiten Weltkrieg, der Nazidiktatur und der Befreiung von der Nazidiktatur findet die gewerkschaftliche Bildungsarbeit in den sich bildenden Gewerkschaften zunächst rein örtlich statt. Vor allem geschieht das im persönlichen Kontakt zwischen jenen älteren Gewerkschaftern und Gewerkschafterinnen die die Nazidiktatur und den zweiten Weltkrieg überlebt haben und den jungen Menschen, die nach einer Perspektive suchen und ihre Zukunft gestalten wollen. Die älteren Überlebenden geben ihre Erfahrungen und ihre Ideen weiter und geben damit den jungen Menschen Perspektiven und Hoffnung (Günter Blank). „Wir jüngeren wussten ja nicht was eine Gewerkschaft ist und wie sie funktioniert“ (Günter Blank, einer der Leiter des Hauses. Im Jahr 2014 in hohem Alter in Gladenbach verstorben). Die jüngeren Kolleginnen und Kollegen entwickeln im Dialog die Ideen weiter und beginnen sie mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit den älteren Kolleginnen und Kollegen in die Tat umzusetzen.

Mit den ausgebauten gewerkschaftlichen Organisationsstrukturen werden auch Strukturen für die gewerkschaftliche Bildung entwickelt. Die gibt es zunächst vor allem auf DGB – Ebene.

Im Geschäftsbericht für den 01. ordentlichen Kongress der DPG über die Jahre von 1949 (also ab Gründung der bundesweiten DPG) bis 1951 geht der Hauptvorstand der DPG umfangreich auf die Bildungsarbeit ein. Dabei wird die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Bildungsarbeit begründet, es werden deren die Ziele aufgezeigt und es wird dargestellt wie wichtig und notwendig der Aufbau eines geordneten und „…einheitlichen gewerkschaftlichen Bildunqs- und Schulungswesens…“ ist.

Hier kann der gesamte Bericht zum Thema Bildung nachgelesen werden (PDF 3,6 MB):

Geschäftsbericht1949-1951

Geschäftsbericht1949-1951

Zur Notwendigkeit gewerkschaftlichen Bildung heißt es unter anderem:
„Durch die Übernahme weitgehender Verantwortung auf wirtschafts- und sozialpolitischem Gebiet sind die Gewerkschaften über ihren früheren Aufgabenkreis hinausgewachsen und wenden sich ihrer wesentlichen Aufgabe zu. Die politische Demokratie, die für sich allein keine wirkliche Freiheit gibt, durch die wirtschaftliche Demokratie zu ergänzen. Diese Aufgabe kann aber nur gelöst werden, wenn die Gewerkschaften in Erkenntnis der geschichtlichen Bedeutung ihres Auftrages hohe Ansprüche stellen an Charakter, Können und Wissen der führenden Gewerkschaftler. Ein Weg zur Heranbildung solcher in jeder Hinsicht geeigneter gewerkschaftlicher Führer ist mit der Schulungs- und Bildungsarbeit beschritten worden.“

In dem Bericht wird auch ausdrücklich auf eine Tagung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 01. 08. 1949 in Königswinter hingewiesen, bei der wohl festgestellt wurde, dass „… die Kraft und die Festigkeit in den Gewerkschaften mit der Schulung und Bildung…“ steht und fällt.

Weiter heißt es:
„Ziel der eigenen gewerkschaftlichen Schulungsarbeit muß es sein, den Gewerkschaftler zum urteilsfähigen Wirtschaftsbürger zu erziehen und ihm die Mittel in die Hand zu geben, den Kampf um die Sicherung seiner Rechte, insbesondere um das Mitbestimmungsrecht, in der Wirtschaft richtig zu führen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn neben einem umfassenden Wissen die Charakterbildung steht. Der mit den Gewerkschaften verbundene urteilsfähige, fachlich geschulte Gewerkschaftler, nicht der technische Gewerkschaftsspezialist, ist ihr Ziel.“

Die Bildungsarbeit soll stufenförmig in Unter-, Mittel- und Oberstufe aufgebaut werden. Für „…jede Stufe (sollen) Pläne erarbeitet werden, die das Gesamtziel der Stufen umreißen und für die Lehrkräfte bindend sind….“ Ein erster Schritt ist die Vorlage von Lehrplänen für zwei-, drei- und sechstägige Schulungen, die den Bezirksleitungen zur Verfügung gestellt werden.

Schulungen der Unterstufe finden auf örtlicher und bezirklicher Ebene satt, die der Mittelstufe in den Bundesschulen zunächst des DGB, ab 1955 auch im Haus Blankenstein der DPG. Die Akademie der Arbeit ist die Oberstufe.

Da es in den Besatzungszonen und über die Besatzungszonen hinweg zunächst nur unzulängliche Möglichkeiten für gewerkschaftliche Organisationsstrukturen gibt, geschieht dies vor allem vor Ort. Das gilt auch für die Deutsche Postwerkschaft, die in den vier Besatzungszonen unterschiedlich organisiert ist. Es geht darum die Mitglieder vor Ort und in den Betrieben zu befähigen Gewerkschaftsarbeit zu organisieren. Noch mehr aber geht es darum, vor allem den jungen Menschen, das Wesen einer demokratischen Gesellschaft und Gewerkschaft nahe zu bringen. Das gilt im Prinzip auch nach der Gründung der bundesweiten DPG im Juni 1949. Die DPG versucht „… über den Weg der gewerkschaftlichen Schulung … einen großen Kreis der Mitglieder, mindestens jedoch deren Sprecher, mit den betrieblichen und wirtschaftlichen Zusammenhängen der eigenen Verwaltung und darüber hinaus mit der Stellung der Gewerkschaften in Gesellschaft, Staat und Wirtschaft vertraut zu machen.“ (Deutsche Post 1954/1, Seite 347) Nach den Erfahrungen der Nazidiktatur ist die staatsbürgerliche Schulung ein wesentlicher Kern gewerkschaftlicher Bildungsarbeit in der DPG.

Anfang der 50er-Jahre wird es immer wichtiger die „.. Funktionäre (der DPG) zu ebenbürtigen Verhandlungspartnern auf den Gebieten des Beamten- und Tarifrechts zu machen sowie ihnen das Wissen zu vermitteln, das sie als Sprecher ihrer Mitglieder im Betriebe auf dem Gebiete des Sozialwesens und bei der Behandlung anderer wichtiger Fragen unbedingt brauchen. (Deutsche Post 1954/1, Seite 347) Damit wird begründet, dass es notwendig ist, die gewerkschaftliche Schulungsarbeit weiter aus zu bauen und nach den Richtlinien des Hauptvorstandes auf Orts-, Bezirks,- und eben auch auf Bundesebene durchzuführen. Damit wird auch die Gründung einer zentralen Schulungseinrichtung notwendig, das Haus Blankenstein.

Die in den 50er-Jahren angebotenen Schulungen im Haus Blankenstein findest Du hier als Auszug aus der Hausbroschüre der 50er-Jahre (PDF 2 MB): Zentrale Schulungen 50er-Jahre

 

Zugang zu den Seminaren

Wer in den 50er Jahren zur Teilnahme an einer Arbeitstagung (so heißen die Schulungen) berechtigt ist und welche Kosten von der DPG übernommen werden, ist von Beginn an klar geregelt.

So werden zum Beispiel die Kosten für eine Rückfahrkarte im Schnellzug dritter Klasse ganz übernommen. Für die Hin- und Rückfahrt gibt es jeweils 5,00 DM bzw. 7,50 DM Reisespesen. Pro Unterrichtstag gibt es ein Taschengeld in Höhe von 3,00 DM.

Zur Teilnahme berechtigt sind Kollegen und Kollegen die von den Bezirken über die jeweilige Ortsverwaltung vorgeschlagen werden. Sie sollen in der Regel zwischen 21 und 45 Jahre alt sein. Ausgenommen von dieser Altersvorgabe sind Sonderlehrgänge, zum Beispiel für Jugendliche und Frauen. Desweiteren müssen sie eine Funktion in der DPG ausüben, an örtlichen oder bezirklichen Lehrgängen der DPG oder des DGB teilgenommen haben und ihren satzungsgemäßen Beitrag gezahlt haben.